Rauchen und Diabetes

Lächelndes Paar beim Spaziergang im Herbstpark
Dr. med. Alexander Hierl

Autor: Dr. med. Alexander Hierl, Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin

Tipps zum Rauchstopp

Was Studien zum Risiko und zum Rauchstopp zeigen

Rauchen und Diabetes hängen enger zusammen, als viele Raucher annehmen. In einer großen Meta-Analyse mit fast sechs Millionen Teilnehmern hatten aktive Raucher ein rund 37 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als Nichtraucher. Nach dem Rauchstopp steigt das Risiko in den ersten Jahren zunächst etwas an und fällt dann über die Jahre deutlich ab. Dieser Verlauf hat einen gut erklärbaren Grund, und er lässt sich beeinflussen.

Was Rauchen mit dem Blutzucker macht

Nikotin und andere Stoffe im Tabakrauch verschlechtern die Wirkung von Insulin. Die Körperzellen nehmen Zucker schlechter auf, die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin bilden. Dazu kommen eine dauerhafte, leichte Entzündung im Körper und mehr Fett im Bauchraum, beides typische Wegbereiter des Typ-2-Diabetes. Wer bereits Diabetes hat und raucht, hat oft schlechter einstellbare Blutzuckerwerte. Für die Gefäße ist die Kombination besonders ungünstig: Rauchen und hoher Blutzucker schädigen beide die Gefäßwand. Mehr zu den Gefäßen am Herzen lesen Sie unter Rauchen und Herz, zu den Gefäßen im Gehirn unter Rauchen und Schlaganfall.

Meta-Analyse: rund 37 Prozent höheres Risiko

Pan und Kollegen werteten 2015 im Fachjournal Lancet Diabetes & Endocrinology 88 prospektive Studien mit rund 5,9 Millionen Teilnehmern aus. Aktive Raucher hatten ein etwa 37 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als Nichtraucher. Je mehr Zigaretten, desto höher lag das Risiko: bei leichten Rauchern etwa 21 Prozent, bei starken Rauchern etwa 57 Prozent über dem von Nie-Rauchern. Auch Passivrauchen ging mit einem um etwa 22 Prozent erhöhten Risiko einher.

Für den Rauchstopp zeigte die Auswertung einen klaren Zeitverlauf. In den ersten fünf Jahren nach dem Aufhören lag das Risiko etwa 54 Prozent über dem von Nie-Rauchern. Nach fünf bis neun Jahren waren es noch etwa 18 Prozent, nach zehn und mehr Jahren nur noch etwa 11 Prozent.

ARIC-Studie: warum das Risiko kurz nach dem Stopp steigt

Yeh und Kollegen folgten in der amerikanischen ARIC-Studie 10.892 Erwachsenen mittleren Alters ohne Diabetes über neun Jahre. Wer in den ersten drei Jahren der Studie aufgehört hatte, hatte danach ein etwa 73 Prozent höheres Diabetesrisiko als Nie-Raucher. Am höchsten lag es in den ersten drei Jahren nach dem Stopp. Danach fiel es schrittweise ab und war nach etwa zwölf Jahren nicht mehr erhöht.

Die Forscher fanden auch die Ursache. Rechneten sie die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp und einen Entzündungswert im Blut heraus, wurde der Anstieg deutlich kleiner. Der vorübergehende Effekt hängt also vor allem an den Kilos, die viele nach dem Aufhören zunehmen. Die Autoren empfahlen deshalb, den Rauchstopp bei Menschen mit Diabetesrisiko mit Vorbeugung und früher Blutzuckerkontrolle zu verbinden.

Was das für Ihren Alltag heißt

Der kurzfristige Anstieg ist kein Argument fürs Weiterrauchen. Auf lange Sicht lag das Risiko in beiden Auswertungen nach dem Stopp klar niedriger als bei fortgesetztem Rauchen, und Herz, Gefäße und Lunge profitieren zusätzlich. Die ersten Jahre lassen sich gezielt absichern:

  • Gewicht im Blick behalten und Snacks als Zigarettenersatz bewusst planen. Konkrete Hinweise finden Sie unter Rauchstopp und Gewicht.
  • Regelmäßig bewegen, schon zügiges Gehen an den meisten Tagen verbessert die Insulinwirkung.
  • Blutzucker oder HbA1c beim Hausarzt kontrollieren lassen, besonders bei Übergewicht, Diabetes in der Familie oder erhöhten Vorwerten.
  • Wer schon Diabetes hat, bespricht die Medikamente nach dem Rauchstopp mit dem behandelnden Arzt, da sich die Werte verändern können.

Hilfe beim Aufhören in München

In der Praxis TabExit unterstützen wir den Rauchstopp mit einer kurzen ärztlichen Behandlung. Ablauf und Kosten: Raucherentwöhnung München. Praktische Tipps: Mit dem Rauchen aufhören. Zur Methode: Rauchfrei-Spritze Studienlage. Weitere Beiträge: Tipps, darunter Rauchen und Herz, Rauchen und Fruchtbarkeit, Rauchstopp und Gewicht und Rauchstopp und Lunge.

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Fazit

Rauchen und Diabetes hängen in großen Studien eng zusammen. In der Meta-Analyse von Pan und Kollegen hatten Raucher ein rund 37 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, starke Raucher ein noch höheres. Nach dem Rauchstopp lag das Risiko in den ersten Jahren vorübergehend höher, vor allem durch Gewichtszunahme, und sank danach über die Jahre deutlich. In der ARIC-Studie war es nach etwa zwölf Jahren nicht mehr erhöht. Gewichtskontrolle, Bewegung und Blutzuckerkontrollen setzen genau an dieser Übergangsphase an.

Häufige Fragen

Erhöht Rauchen den Blutzucker?

Rauchen verschlechtert die Wirkung von Insulin. Dadurch steigt der Blutzucker leichter an, und bei bestehendem Diabetes sind die Werte oft schwerer einzustellen.

Warum steigt das Diabetesrisiko nach dem Rauchstopp zunächst?

In der ARIC-Studie erklärte vor allem die Gewichtszunahme nach dem Aufhören den Anstieg. Mit Gewichtskontrolle und Bewegung lässt sich dieser Effekt abschwächen.

Wie lange dauert es, bis das Risiko wieder sinkt?

In der Meta-Analyse sank das Risiko ab etwa fünf Jahren nach dem Stopp deutlich und lag nach zehn und mehr Jahren nur noch leicht über dem von Nie-Rauchern. In ARIC war nach etwa zwölf Jahren kein erhöhtes Risiko mehr messbar.

Ersetzt TabExit die Diabetesbehandlung?

Nein. TabExit unterstützt den Rauchstopp. Diagnose, Blutzuckerkontrolle und Diabetestherapie liegen beim Hausarzt oder Diabetologen.

Quellen

  1. Pan A, Wang Y, Talaei M, Hu FB, Wu T. Relation of active, passive, and quitting smoking with incident type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Lancet Diabetes Endocrinol. 2015;3(12):958-967. DOI: 10.1016/S2213-8587(15)00316-2
  2. Yeh HC, Duncan BB, Schmidt MI, Wang NY, Brancati FL. Smoking, smoking cessation, and risk for type 2 diabetes mellitus: a cohort study. Ann Intern Med. 2010;152(1):10-17. DOI: 10.7326/0003-4819-152-1-201001050-00005