Rauchen und Schlaganfall

Älteres Paar tanzt fröhlich in einem hellen Wohnzimmer
Dr. med. Alexander Hierl

Autor: Dr. med. Alexander Hierl, Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin

Tipps zum Rauchstopp

Was Studien zum Risiko und zum Rauchstopp zeigen

Rauchen und Schlaganfall gehören eng zusammen: Tabakrauch belastet die Gefäße im Gehirn und erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung. In der internationalen INTERSTROKE-Studie hing rund 12 Prozent der Schlaganfälle weltweit mit aktuellem Rauchen zusammen. Parallel dazu zeigen Langzeitdaten aus Framingham und der British Regional Heart Study, wie sich das Risiko nach dem Aufhören über Jahre verändert. Was am Herzen und den Herzkranzgefäßen gilt, gilt hier für die Hirngefäße: Der Stopp zählt. Details zum Herzen finden Sie unter Rauchen und Herz.

Was Rauchen am Gehirn macht

Tabakrauch reizt die Gefäßinnenhaut, fördert Entzündung und Ablagerungen und macht das Blut gerinnungsfreudiger. In den Hirnarterien entsteht so leichter ein Verschluss: der ischämische Schlaganfall (Hirninfarkt). Seltener, aber möglich, sind Blutungen. Rauchen wirkt dabei oft zusammen mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern oder Diabetes. Je mehr Zigaretten, desto höher die Belastung. In Framingham lag das Schlaganfallrisiko bei sehr starken Rauchern (über 40 Zigaretten pro Tag) etwa doppelt so hoch wie bei leichten Rauchern (unter zehn pro Tag).

INTERSTROKE: Rauchen als großer Anteil am Schlaganfallrisiko

O'Donnell und Kollegen untersuchten in INTERSTROKE über 26.900 Personen aus 32 Ländern (Fall-Kontroll-Design, Erstschlaganfälle). Aktuelles Rauchen gehörte zu den zehn wichtigsten beeinflussbaren Faktoren. Der Bevölkerungsanteil (population attributable risk, PAR) für aktuelles Rauchen lag bei 12,4 Prozent für alle Schlaganfälle. Das heißt: In dieser weltweiten Auswertung hing rund jeder achte Schlaganfall mit dem aktuellen Rauchen zusammen. Bluthochdruck blieb der stärkste Einzelfaktor. Rauchen war darunter ein klarer, veränderbarer Beitrag.

Framingham: Risiko nach dem Stopp

Wolf und Kollegen werteten in der Framingham Heart Study 4.255 Männer und Frauen aus (36 bis 68 Jahre, ohne früheren Schlaganfall oder TIA) über 26 Jahre. Rauchen blieb auch nach Berücksichtigung von Alter, Blutdruck und weiteren Herz-Kreislauf-Faktoren ein unabhängiger Risikofaktor für Schlaganfall und speziell für Hirninfarkt.

Nach dem Aufhören sank das Schlaganfallrisiko innerhalb von zwei Jahren klar. Nach fünf Jahren lag es auf dem Niveau der Nie-Raucher. Das ist ein Zeitfenster, das viele Patienten in der Sprechstunde konkret interessiert: Der Nutzen beginnt früh und verdichtet sich über wenige Jahre.

British Regional Heart Study: fast vierfach höheres Risiko, Nutzen in fünf Jahren

Wannamethee und Kollegen folgten in der British Regional Heart Study 7.735 Männern im Alter von 40 bis 59 Jahren im Mittel 12,75 Jahre. Nach voller Anpassung an andere Risikofaktoren hatten aktuelle Raucher ein fast vierfach höheres Schlaganfallrisiko als Nie-Raucher (relatives Risiko 3,7).

Der Nutzen des kompletten Stopps zeigte sich innerhalb von fünf Jahren. Leichtraucher (unter 20 Zigaretten pro Tag) erreichten danach wieder das Risiko der Nie-Raucher. Starkraucher behielten ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko gegenüber Nie-Rauchern. Wer nur auf Pfeife oder Zigarre umstieg, hatte kaum Vorteil gegenüber dem Weiterrauchen von Zigaretten.

Was das für Ihren Alltag heißt

Wenn Sie rauchen und Schlaganfall in der Familie vorkommt, Bluthochdruck haben, Vorhofflimmern kennen oder schon eine TIA hatten, ist der Rauchstopp einer der klarsten Schritte, die Sie selbst steuern können. Tabletten und Blutdruckkontrolle ersetzen diesen Schritt nicht. Bloßes Reduzieren oder der Wechsel auf Pfeife und Zigarre brachte in den genannten Auswertungen keinen verlässlichen Ersatz für den echten Stopp.

Viele schaffen den Stopp nicht allein. Dann lohnt ärztliche Unterstützung früh.

Hilfe beim Aufhören in München

In der Praxis TabExit unterstützen wir den Rauchstopp mit einer kurzen ärztlichen Behandlung. Ablauf und Kosten: Raucherentwöhnung München. Praktische Tipps: Mit dem Rauchen aufhören. Zur Methode: Rauchfrei-Spritze Studienlage. Weitere Beiträge: Tipps, darunter Rauchen und Herz, Rauchen und Fruchtbarkeit, Rauchstopp und Gewicht, Rauchstopp und Lunge und Rauchen und Diabetes.

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Fazit

Rauchen und Schlaganfall hängen in großen Studien eng zusammen. In INTERSTROKE entfielen rund 12 Prozent der Schlaganfälle weltweit auf aktuelles Rauchen. In Framingham sank das Risiko nach dem Stopp innerhalb von zwei Jahren und lag nach fünf Jahren auf dem Niveau der Nie-Raucher. In der British Regional Heart Study hatten aktuelle Raucher ein fast vierfach höheres Risiko als Nie-Raucher; der Nutzen des Stopps zeigte sich innerhalb von fünf Jahren, bei Leichtrauchern bis zum Niveau der Nie-Raucher. In den genannten Studien hing der klare Nutzen am vollständigen Stopp.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hirninfarkt und Hirnblutung?

Beim Hirninfarkt verschließt ein Gerinnsel oder eine Ablagerung eine Hirnarterie. Bei der Hirnblutung reißt ein Gefäß. Rauchen erhöht vor allem das Risiko für den ischämischen Schlaganfall; Blutungen kommen seltener vor, sind aber möglich.

Wie schnell sinkt das Schlaganfallrisiko nach dem Aufhören?

In Framingham war der Rückgang nach zwei Jahren klar messbar. Nach fünf Jahren lag das Risiko auf dem Niveau der Nie-Raucher. In der British Regional Heart Study zeigte sich der Nutzen des Stopps ebenfalls innerhalb von fünf Jahren.

Reicht es, weniger zu rauchen oder auf Pfeife umzusteigen?

In der British Regional Heart Study brachte der Wechsel auf Pfeife oder Zigarre keinen klaren Vorteil gegenüber dem Weiterrauchen. Der Nutzen hing am vollständigen Stopp. Leichtraucher erreichten nach dem Quit wieder das Risiko der Nie-Raucher; Starkraucher behielten ein erhöhtes Restrisiko.

Ersetzt TabExit eine neurologische Abklärung?

Nein. Bei akuten Symptomen (Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung, plötzlicher Schwindel) gehört der Notarzt dazu. TabExit unterstützt den Rauchstopp; Schlaganfalldiagnostik und Nachsorge liegen bei Neurologie und Hausarzt.

Quellen

  1. O'Donnell MJ, Chin SL, Rangarajan S, et al. Global and regional effects of potentially modifiable risk factors associated with acute stroke in 32 countries (INTERSTROKE): a case-control study. Lancet. 2016;388(10046):761-775. DOI: 10.1016/S0140-6736(16)30506-2
  2. Wolf PA, D'Agostino RB, Kannel WB, Bonita R, Belanger AJ. Cigarette smoking as a risk factor for stroke. The Framingham Study. JAMA. 1988;259(7):1025-1029. DOI: 10.1001/jama.1988.03720070025028
  3. Wannamethee SG, Shaper AG, Whincup PH, Walker M. Smoking cessation and the risk of stroke in middle-aged men. JAMA. 1995;274(2):155-160. DOI: 10.1001/jama.1995.03530020073035