Rauchstopp: Entzugserscheinungen und die ersten Wochen

Frau hält eine warme Tasse und schaut entspannt aus dem Fenster
Dr. med. Alexander Hierl

Autor: Dr. med. Alexander Hierl, Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin

Tipps zum Rauchstopp

Was in den ersten Tagen passiert und was im Alltag hilft

Wer mit dem Rauchen aufhört, spürt den Entzug meist schon am ersten Tag. In einer Übersichtsarbeit zum Nikotinentzug begannen die Beschwerden 4 bis 24 Stunden nach der letzten Zigarette, waren um den dritten Tag am stärksten und klangen über die folgenden drei bis vier Wochen ab. Was viele als Nebenwirkungen beim Rauchen aufhören beschreiben, sind diese Entzugserscheinungen: Unruhe, Gereiztheit, schlechter Schlaf, Konzentrationsprobleme, mehr Hunger und Rauchverlangen. Wer den Verlauf kennt, kann die ersten Tage nach dem Rauchstopp besser einordnen und vorbereiten.

Was beim Entzug im Körper passiert

Nikotin erreicht mit jedem Zug innerhalb weniger Sekunden das Gehirn. Dort bindet es an Nikotinrezeptoren und setzt Botenstoffe wie Dopamin frei. Bei regelmäßigem Rauchen bildet das Gehirn mehr dieser Rezeptoren und stellt sich auf den ständigen Nachschub ein. Der Körper baut Nikotin rasch ab, nach etwa zwei Stunden ist die Hälfte aus dem Blut verschwunden. Fehlt der Nachschub, entsteht das typische Entzugsgefühl. Über die folgenden Wochen passt sich das Gehirn wieder an ein Leben ohne Nikotin an.

Viele Raucher erleben die Zigarette als beruhigend. Ein großer Teil dieser Ruhe ist die Erleichterung, wenn ein beginnender Entzug durch die nächste Zigarette endet. Nach dem Rauchstopp fällt dieser Kreislauf weg. Das Gehirn braucht einige Wochen, um ohne ihn auszukommen.

Ein zweiter Effekt betrifft die Leber. Stoffe im Tabakrauch beschleunigen dort den Abbau von Koffein. Nach dem Rauchstopp wird Koffein langsamer abgebaut, die gewohnte Menge Kaffee wirkt stärker und kann Unruhe und Einschlafprobleme verstärken.

Rauchstopp: die ersten Tage und Wochen im Zeitverlauf

  • Erste Stunden: Nach 4 bis 24 Stunden melden sich Rauchverlangen, Unruhe und Gereiztheit.
  • Tag 2 bis 3: Die meisten Beschwerden erreichen um den dritten Tag ihren Höhepunkt.
  • Erste Woche: Unruhe, Reizbarkeit, Angst, gedrückte Stimmung, Konzentrations- und Schlafprobleme sind in dieser Zeit am deutlichsten.
  • Woche 2 bis 4: Die Beschwerden klingen bei den meisten schrittweise ab.
  • Danach: Einzelne Momente mit Rauchverlangen können noch lange auftreten, oft in vertrauten Situationen wie beim Kaffee, nach dem Essen oder beim Feierabendbier.

Die Zeitangaben stammen aus zwei Übersichtsarbeiten. John Hughes wertete 2007 für die Fachzeitschrift Nicotine & Tobacco Research 120 Studien aus. Als gesicherte Entzugssymptome bestätigte er Ärger, Angst, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme, Ungeduld, Schlafstörungen und Unruhe. Sie waren in der ersten Woche am stärksten und hielten 2 bis 4 Wochen an. Verstopfung, Husten, Schwindel, lebhaftere Träume und kleine Wunden im Mund kamen ebenfalls als Folge des Rauchstopps in Frage. McLaughlin und Kollegen beschrieben 2015 einen Beginn nach 4 bis 24 Stunden, einen Höhepunkt um den dritten Tag und ein Abklingen über drei bis vier Wochen.

Typische Entzugserscheinungen beim Rauchen aufhören

Unruhe und Reizbarkeit

Kleinigkeiten nerven schneller, die Geduld ist kürzer. Das ist in der ersten Woche am stärksten. Es hilft, Familie und Kollegen vorher zu sagen, dass Sie gerade aufhören.

Schlaf

Einschlafen fällt manchen schwerer, die Nächte sind unruhiger, Träume werden lebhafter. Mehr Koffein als früher im Blut kann das verstärken.

Konzentration

Lesen, Rechnen oder lange Besprechungen strengen in den ersten ein bis zwei Wochen mehr an. Wenn möglich, legen Sie den Stopp-Termin nicht in eine Woche mit Prüfungen oder wichtigen Abgaben.

Hunger

Der Appetit steigt bei vielen, besonders auf Süßes. Eine moderate Gewichtszunahme ist häufig. Mehr dazu unter Rauchstopp und Gewicht. Wie Gewicht und Blutzucker zusammenhängen: Rauchen und Diabetes.

Rauchverlangen

Das Verlangen kommt in Wellen und fällt nach einigen Minuten wieder ab, auch ohne Zigarette. Stille motivierende Gedanken (Affirmationen) helfen, diese kurzen Phasen durchzuhalten, z.B. "Ich zieh das jetzt durch", "Jetzt bin ich schon so weit gekommen, das lasse ich mir nicht kaputt machen", "Ich habe aufgehört und fange nicht mehr damit an". In den ersten Tagen kommen diese Wellen oft, später seltener.

Husten

Manche husten in den ersten Wochen mehr als vorher. Die Flimmerhärchen der Bronchien arbeiten wieder und transportieren Schleim nach oben. Was sich an der Lunge über die Zeit verändert, lesen Sie unter Rauchstopp und Lunge.

Stimmung

Gedrückte Stimmung und Ängstlichkeit gehören zu den gesicherten Entzugssymptomen und sind in der ersten Woche am häufigsten.

Psyche nach dem Rauchstopp: was eine Meta-Analyse zeigt

Taylor und Kollegen werteten 2014 im BMJ 26 Langzeitstudien mit Erwachsenen aus. Die psychische Gesundheit wurde vor dem Rauchstopp gemessen und erneut nach sieben Wochen bis neun Jahren. Wer aufgehört hatte, hatte danach weniger Angst, weniger depressive Beschwerden und weniger Stress als Menschen, die weitergeraucht hatten. Stimmung und psychische Lebensqualität lagen höher. Das galt für Menschen ohne Vorerkrankung ebenso wie für Menschen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Es handelt sich um Beobachtungsstudien, sie zeigen also Zusammenhänge. Für Raucher, die einen Rauchstopp aus Sorge um ihre Stimmung aufschieben, ist der Befund trotzdem hilfreich: Auf längere Sicht lag die Stimmung bei Menschen nach dem Rauchstopp in diesen Daten besser als bei Weiterrauchenden.

Was im Alltag bei Entzugserscheinungen hilft

  • Verlangen-Wellen abwarten: ein Glas Wasser trinken, ein paar Minuten aufstehen und gehen, Zähne putzen oder kurz jemanden anrufen, Affirmationen nutzen, Praline Paradise oder Brilliant Blocks spielen. Die Welle ebbt meist ab, bevor die Ablenkung vorbei ist.
  • Routinen umbauen: Kaffee an einem anderen Platz trinken, Pausen nicht mehr mit den Rauchern verbringen, nach dem Essen direkt aufstehen. Weitere Ideen zur Vorbereitung finden Sie im Leitfaden Mit dem Rauchen aufhören.
  • Bewegung einplanen: Ein zügiger Spaziergang von zehn bis fünfzehn Minuten kann Verlangen und Anspannung dämpfen und erleichtert abends das Einschlafen.
  • Schlaf schützen: Koffein ab dem frühen Nachmittag reduzieren, feste Schlafenszeiten einhalten, abends Bildschirme früher ausschalten.
  • Ausreichend trinken: Wasser oder ungesüßter Tee hilft bei trockenem Mund, Husten und Verstopfung. Mit Alkohol in den ersten Wochen zurückhaltend sein, weil er Verlangen auslöst und die Kontrolle schwächt.
  • Essen planen: feste Mahlzeiten, Gemüse, Obst und Nüsse griffbereit, damit Hunger nicht automatisch zu Süßem führt.

Wann Sie zum Hausarzt gehen sollten

Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn die Stimmung über die ersten Wochen hinaus gedrückt bleibt, wenn Sie früher eine Depression hatten oder wenn Schlafprobleme Sie im Alltag stark einschränken. Bei Gedanken, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte sofort ärztliche Hilfe oder rufen den Notruf 112 an.

Auch Medikamente gehören ins Gespräch. Tabakrauch beschleunigt den Abbau einiger Wirkstoffe, darunter Clozapin, Olanzapin und Theophyllin. Nach dem Rauchstopp können ihre Spiegel im Blut steigen, und die Dosis muss gelegentlich angepasst werden. Bei Herzpatienten lohnt sich ein Blick auf Blutdruck und Puls in den ersten Wochen. Wie sich der Rauchstopp auf Herz und Gefäße auswirkt, lesen Sie unter Rauchen und Herz und Rauchen und Schlaganfall.

Hilfe beim Aufhören in München

In der Praxis TabExit unterstützen wir den Rauchstopp mit einer kurzen ärztlichen Behandlung. Ablauf und Kosten: Raucherentwöhnung München. Praktische Tipps: Mit dem Rauchen aufhören. Zur Methode: Rauchfrei-Spritze Studienlage. Weitere Beiträge: Tipps, darunter Rauchen und Herz, Rauchen und Fruchtbarkeit, Rauchstopp und Gewicht, Rauchstopp und Lunge und Rauchen und Schlaganfall.

Einen Termin können Sie über tabexit.com vereinbaren.

Fazit

Entzugserscheinungen nach dem Rauchstopp folgen einem gut beschriebenen Verlauf. Sie beginnen nach wenigen Stunden, sind um den dritten Tag und in der ersten Woche am stärksten und klingen in den Übersichtsarbeiten von Hughes und McLaughlin meist nach 2 bis 4 Wochen ab. Unruhe, Reizbarkeit, schlechter Schlaf, Konzentrationsprobleme, Hunger und Rauchverlangen gehören dazu, Husten und lebhafte Träume kommen bei manchen hinzu. In der Meta-Analyse von Taylor und Kollegen hatten Menschen nach dem Rauchstopp langfristig weniger Angst, Depression und Stress als Weiterrauchende. Für die ersten Wochen eignen sich ein Plan für die Verlangen-Wellen, Bewegung, guter Schlaf, weniger Koffein und ein Arztgespräch, wenn die Stimmung länger gedrückt bleibt.

Häufige Fragen

Wie lange dauern Entzugserscheinungen nach dem Rauchstopp?

Die meisten Beschwerden sind in der ersten Woche am stärksten und klingen nach 2 bis 4 Wochen ab. Einzelne Momente mit Rauchverlangen können auch später noch auftreten, meist in vertrauten Situationen.

Welche Tage sind am schwersten?

In der Übersichtsarbeit von McLaughlin und Kollegen lag der Höhepunkt um den dritten Tag nach der letzten Zigarette.

Ist stärkerer Husten nach dem Rauchstopp normal?

Ja, das kommt in den ersten Wochen vor, weil die Bronchien wieder mehr Schleim abtransportieren. Husten, der länger als einige Wochen anhält, Fieber, Atemnot oder Blut im Auswurf gehören ärztlich abgeklärt.

Warum schlafe ich nach dem Rauchstopp schlechter?

Schlafstörungen sind ein gesichertes Entzugssymptom. Zusätzlich wird Koffein nach dem Rauchstopp langsamer abgebaut, die gewohnte Menge Kaffee wirkt also stärker.

Wann sollte ich wegen der Stimmung zum Arzt?

Wenn die gedrückte Stimmung über die ersten Wochen hinaus anhält, bei früherer Depression oder wenn Sie Medikamente wie Clozapin, Olanzapin oder Theophyllin einnehmen. Bei Gedanken an Selbstverletzung sofort.

Ersetzt TabExit die hausärztliche Betreuung?

Nein. TabExit unterstützt den Rauchstopp. Behandlung von Stimmungstiefs, Schlafstörungen oder Medikamentenanpassungen liegen beim Hausarzt oder Facharzt.

Quellen

  1. Hughes JR. Effects of abstinence from tobacco: valid symptoms and time course. Nicotine Tob Res. 2007;9(3):315-327. DOI: 10.1080/14622200701188919
  2. Taylor G, McNeill A, Girling A, Farley A, Lindson-Hawley N, Aveyard P. Change in mental health after smoking cessation: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2014;348:g1151. DOI: 10.1136/bmj.g1151
  3. McLaughlin I, Dani JA, De Biasi M. Nicotine withdrawal. Curr Top Behav Neurosci. 2015;24:99-123. DOI: 10.1007/978-3-319-13482-6_4